Podiumsgespräch im Pfarreiheim Rotmonten
Quelle: Katholisch St.Gallen
Auf 1200 Kilometern viel für Frauen bewegt
Zehn Jahre nach der Pilgeraktion «Kirche mit* den Frauen» sind einige Schritte hin zu mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche gemacht worden. In der Leitung des Bistums St.Gallen zeichnet sich ein Kulturwandel ab. (Medienbericht vom 18. Juni)
Es war ihnen ernst. Sieben Frauen und ein Mann haben vor zehn Jahren den 1200 Kilometer langen Weg von St. Gallen nach Rom unter die Füsse genommen. Ziel war, beim Hoffnungsträger Papst Franziskus anzuklopfen und ihm den dringlichen Wunsch für Geschwisterlichkeit in der Kirche zu überbringen. Die damalige Pilgerreise hat viele Leute bewegt. Hunderte Menschen begleiteten die Kerngruppe auf unterschiedlich langen Abschnitten, auch die Bischöfe von Basel und St.Gallen zeigten sich solidarisch. Die Aktion «Kirche mit* den Frauen» hat vieles aufgebrochen und Entwicklungen angestossen, die nicht mehr umkehrbar sind. Dies haben vier «Powerfrauen» am Dienstagabend in Rotmonten in St.Gallen festgehalten. Zehn Jahre nach der Pilgerreise liessen sie an einer Podiumsveranstaltungen mit über 50 Gästen die Aktion Revue passieren und haben sich der Frage gestellt: hat sich die Reise gelohnt?
Frauen wurden politisiert
Simone Curau-Aepli, von 2016 bis 2025 Präsidentin des Frauenbunds Schweiz, hat die Frage anhand einiger Beispiele mit einem Ja beantwortet. Sie betont an diesem Abend, wie gut es gewesen sei, keine radikale Forderung zu stellen. Das zentralste Anliegen war, dass nicht Männer alleine über Belange, welche Frauen betreffen, entscheiden sollen. Die zurückhaltende Wortwahl hat laut Curau-Aepli verdeutlicht, dass man den Weg gemeinsam gehen wolle. Die Bewegung sei breit aufgestellt gewesen und habe viele Frauen in den vergangenen Jahren kirchenpolitisch aktiviert. Am Podiumsabend sind zuvor Erinnerungen der Pilgerreise vorgetragen und Ausschnitte des Filmes «Habemus Feminas» eingestreut worden. Die Dokumentation zeigt eindrücklich auf, wie viele unterschiedliche Menschen – selbst Mitglieder der Filmcrew – sich mit der Aktion solidarisierten.
Mehr Synode, mehr Druck
Claire Renggli, die zusammen mit der Pfarreibeauftragten Vreni Ammann zum Podiumsabend einlud, war 2016 den ganzen Weg gepilgert. Für sie lohne sich jede Aktion, die sich für Geschwisterlichkeit in der Kirche stark mache. Angefangen als Leiterin in der Pfadi, kämpft Claire Renggli seit Jahrzehnten für die Anliegen der Frauen in der katholischen Kirche. Oft seien es heute noch die gleichen Fragen, welche sie bereits in den 1970er- und 80er-Jahre beschäftigten. Claire Renggli ist der felsenfesten Überzeugung: «Die Kirche hat nur dann eine Zukunft, wenn sie synodaler wird». Am Abend zu Gast war auch Silvan Maximilian Hohl, Regisseur des Dokumentarfilms. Er betonte, wie wichtig es sei, den öffentlichen Druck für diese Anliegen aufrecht zu halten.
Bischof macht Hoffnung
Ingrid Krucker ist als Leiterin Regensamt die erste Frau, die in der St.Galler Bistumsleitung Einsitz hält. Sie lobte Bischof Beat, der sie ermuntert habe, das Regensamt zu übernehmen. Krucker spricht auch von einem Kulturwandel, wonach es keine Tabus mehr gebe; alle – auch unangenehme – Themen kämen auf den Tisch. Der Bischof mache durchaus Hoffnung, wobei Ingrid Krucker relativiert: «Er braucht Verbündete, alleine kann er nicht alles ändern». Die Frankophone Pilgerin Mariette Mumenthaler, die vierte «Powerfrau» in der Runde, stellte dem Westschweizer Klerus ein weniger gutes Zeugnis aus. Sie sprach davon, in den vergangenen Jahren auf gute Zuhörer zu gestossen zu sein, die es allerdings beim Zuhören beliessen. Und welche Spuren hinterliess Hoffnungsträger Papst Franziskus? Claire Renggli würdigte ihn für die Öffnung des synodalen Prozesses. Es gelte nun, Foren zu schaffen für die Beteiligung am weltweiten Prozess. Dieser mündet im Herbst 2028 in eine Vollversammlung im Vatikan.
Quelle: Katholisch St.Gallen