Quelle: Nina Rudnicki / Pfarreiforum
Pascal Wüst geht Bund mit Bistum ein
Pascal Wüst hat seine Berufseinführung als Seelsorger abgeschlossen. Im Gespräch sagt der 26-Jährige, welche Ideen er im Neudorf und in der Stadt einbringen möchte. (Interview von Nina Rudnicki, Pfarreiforum vom November 2026)
Kürzlich hat Ihnen Bischof Beat die Institutio erteilt: Damit gilt ein gegenseitiges Versprechen zwischen Ihnen als Seelsorger und dem Bistum St.Gallen. Was bedeutet Ihnen der Schritt?
Ich habe mir gut überlegt, ob ich diesen Schritt machen möchte. Ich habe mich dafür entschieden, weil die Institutio für mich bedeutet, dass ich und die Kirche gegenseitige Verantwortung füreinander übernehmen. Ich übernehme die Verantwortung, die Zukunft der Kirche mitzugestalten und Teil von ihr zu sein, auch wenn ich nicht mit allem in der katholischen Kirche einverstanden bin. Das bedeutet für mich auch, Bestehendes kritisch zu hinterfragen und Kirche neu zu denken. Was ich spannend finde, sind neue Formen des Kirche-Seins.
Haben Sie dazu ein Beispiel?
Mir fallen spontan die Mitternachtsmessen an Weihnachten in der Seelsorgeeinheit Obersee ein. Diese wurden vor einigen Jahren reduziert, weil weniger Menschen kamen. Ich fragte meinen Vater, der dort Seelsorger ist, ob ich zusammen mit meiner Schwester und einigen Freunden eine der Kirchen in dieser Zeit nutzen darf. Wir wollten etwas anderes ausprobieren und entschieden uns für das Format «Unwrap Christmas», in dem wir über verschiedene Impulse diskutierten.
Was hinterfragen Sie an der Kirche?
Einige Dinge sind für mich zu starr. Als Jugendseelsorger interessiert mich vor allem die Frage, was Jugendliche oder junge Erwachsene von der Kirche brauchen. Da spielt auch meine eigene Erfahrung mit ein. Ich habe Kirche und Gemeinschaft auf eine ungezwungene Weise kennengelernt. Obwohl mein Vater Seelsorger ist, hat er mich nicht zu bestimmten Gottesdiensten verdonnert, sondern liess mir die Freiheit, meinen eigenen Platz zu finden. Seine Arbeit hat mich inspiriert und so habe ich mich für ein Theologiestudium an der Universität Luzern entschieden. Dort habe ich die Freude am theologischen Denken, an der weltoffenen Wissenschaft und Kirchengeschichte entdeckt. Die Kirche ist historisch gewachsen, theologische Deutungen und Kontexte verändern sich über die Jahrhunderte. Das bedeutet auch, dass man verschiedene Sichtweisen zulassen muss. Diese Weltoffenheit wollte ich in meine Ausbildung zum Seelsorger mitnehmen.
Wie funktioniert das in der Pfarrei Maria Neudorf?
Sehr gut. Ich habe das Glück, dass mein Team oder Seelsorgeteam mir viele Freiheiten lässt. Beim Erstkommunionweg versuche ich beispielsweise gerade etwas Neues. Die Familien bekommen zwölf Briefe nach Hause geschickt und begeben sich auf eine spannende Entdeckungsreise. Ich bin gespannt, wie das ankommt.