Der Fledermausexperte René Güttinger positioniert die Wärembildkamera
Quelle: Katholisch St.Gallen
St.Georgen-Kirche beherbergt «Flüsterer»
In der katholischen Kirche St.Georgen lebt eine Kolonie der gefährdeten Fledermausart Braunes Langohr. Spezialisten haben Beobachtungen durchgeführt zum Schutz dieses Bestands. (Medienmitteilung vom 25. Juni 2026)
Es hat lange Ohren, scheut das Licht und mag Kirchen: Das Braune Langohr, eine Fledermausart, die in der Schweiz immer seltener wird. So liegt es auf der Hand, dass die vor drei Jahren erstmals nachgewiesene Kolonie in der katholischen Kirche St.Georgen bereits ins nationale Inventar aufgenommen wurde. «Das Braune Langohr geniesst den höchsten Schutzstatus», sagt Bettina Giger, die für die Stadt St.Gallen bei Stadtgrün zuständig ist für die Artenförderung. Die städtischen Expertinnen hatten 2023 zusammen mit dem kantonalen Fledermausbeauftragten René Güttinger 13 Stadtkirchen nach dem Braunen Langohr abgesucht. Fündig wurden sie neben St.Georgen im Heiligkreuz, wo mit Gewissheit in der evangelisch-reformierten Kirche Braune Langohren aufgezogen werden und womöglich auch in der katholischen Wallfahrtskirche. Die aktuell warmen und trockenen Abende sind ideal, um die Tiere zu beobachten. Eine Observation hat am Mittwochabend rund um die katholische Kirche St.Georgen stattgefunden.
Leiser als die Zwerge
Es ist «sauschwierig», Braune Langohren zu beobachten. «Das blosse menschliche Auge ist vielfach nicht im Stande, einen Ausflug des Tieres zu beobachten», sagt René Güttinger. Deshalb gehören zur Ausrüstung eine Wärmebildkamera, ein Restlichtverstärker und ein Ultraschalldetektor, der die Laute der Tiere mit sehr hoher Frequenz misst. Ebenso zur Ausrüstung zählt ein Campingstuhl; eine bis zwei Stunden muss man sich für die Beobachtung Zeit nehmen. An diesem lauen Abend stehen René Güttinger und Bettina Giger zusammen mit zwei Mitarbeitenden von Stadtgrün im Einsatz. Drei Freiwillige verstärken den Trupp, der ab 21.30 Uhr die Kirche aus drei Positionen im Auge behält. Sobald es eindunkelt, fliegen die Fledermäuse aus. Deutlich besser zu hören sind die Zwergfledermäuse, die dank des Detektors aus der Zählung ausgeschlossen werden können. Erst ab 22 Uhr stellt Güttinger die ersten Braunen Langohren, die er «Flüsterer» nennt, fest. Am Schluss werden er und seine Helferinnen und Helfer elf Exemplare gezählt haben.
Renovation als grosse Gefahr
Die natürliche Aufzucht von Braunen Langohren findet in sogenannten Wochenstuben statt. «In der Natur dienen dazu alte Bäume mit Hohlräumen», erklärt Bettina Giger. Die Kirche in St.Georgen bietet im Dachstock des Längsschiffs, des Querschiffs sowie im Turmhelm oberhalb des Glockenstuhls ähnliche Bedingungen. «Die Langohren hausen zwischen Ziegeln und Schindeln, im schmalen Hohlraum zwischen Ober- und Unterdach», erklärt René Güttinger. Er verweist auf kleine Schlitze im Dach, die zum Ausfliegen dienen. Beim Glockenstuhl gelangen die Tiere durch die Fenster ins Freie. In St.Georgen ist es im Quartier dunkel genug, nur an gewissen Stellen durchschneidet künstliches Licht den Lebensraum. Die Fledermäuse gelangen ungestört in die Landschaft, wo sie bis zu zehn Kilometer entfernt nach Insekten jagen. Der grosse Feind der Braunen Langohren sind Störungen durch Licht und Renovationen. Ein solche steht auch in St.Georgen bei der im Jahr 1932 eingeweihten Kirche bald an. Die Forschungsergebnisse von Stadtgrün werden zur Katholischen Kirchgemeinde fliessen und in die Planung der Sanierung einbezogen. Mithilfe dieses Wissens kann sichergestellt werden, dass sich die Braunen Langohren weiterhin wohlfühlen in der katholischen Kirche und diese als Kinderstube nutzen.
Quelle: René Güttinger