Quelle: Katholisch St.Gallen
Kerzli-Rekord in der Kathedrale
Medienmitteilung vom 4. Februar 2026
Über 200‘000 Zeichen der Hoffnung
Im vergangenen Jahr sind in der St.Galler Kathedrale mehr als 200‘000 Kerzli angezündet worden. Das ist erneut ein Rekord. Die steigenden Zahlen zeigen, wie wichtig Momente der Einkehr und der Ruhe in der heutigen Zeit sind.
Die Kathedrale St.Gallen hat immer mehr Besucherinnen und Besucher. Zumindest deutet die Zahl der angezündeten Opferkerzli in aller Klarheit darauf hin. Vor der Corona-Pandemie war man sich an einen jährlichen Gebrauch von circa 160‘000 Kerzli gewohnt. 2023 stieg die Zahl auf 180‘000, im vergangenen Jahr waren es 190‘000 Lichter der Hoffnung. Und fürs vergangene Jahr mussten exakt 200‘488 Kerzli bestellt werden, um das Bedürfnis der Besuchenden der Kathedrale zu stillen. Martin Rusch, Diakon und Interimsleiter der Dompfarrei, sieht verschiedene Gründe, weshalb es zu einem solchen Wachstum gekommen ist.
Die Jungen kommen
Auf den ungebremsten Kerzli-Trend angesprochen, kommt Martin Ruch als erstes in den Sinn, dass in der vergangenen Zeit ein erhöhtes Interesse bei der jüngeren Generation am Kirchlichen und Spirituellen festzustellen ist. Zumindest hätten sich Medienbeiträge diesbezüglich gehäuft, und er selber erlebe es in seiner Arbeit als Seelsorger. Und so sind es gerade auch TikTok-Filme die heuer auf den Smartphones junger Leute weltweit die Runde machen und so zu einem Besucherrekord in der Stiftsbibliothek im vergangenen Jahr beigetragen haben. Der Besucherrekord im St.Galler Weltkulturerbe korreliert natürlich mit dem Kerzli-Rekord in der Kathedrale und ist gewiss ein Teil der Erklärung. Martin Rusch führt für den Trend weiter ins Feld, dass Glaube und Spiritualität heute individuell geprägt sind: «Bei der Einkehr vor dem Kerzli-Ständer ist man nicht an eine Zeit oder an eine Zugehörigkeit gebunden.» Ein Kerzli anzuzünden, gebe einem die Möglichkeit, einen Moment für sich und seine persönlichen Gedanken, Sorgen und Wünschen zu erleben. Und das in einer Stille, die laut Rusch einfach guttut. Das Ritual werde wohl auch wichtiger in der heutigen Zeit, in der die Unsicherheit in aller Welt wächst. Neben der zunehmenden Individualität dürfte für den Rekord auch das vergangene Pilgerjahr ein Aspekt gewesen sein, in dem zusätzliche Gläubige den Weg nach St.Gallen gefunden haben.
Direkthilfe für gute Zwecke
Mit der zunehmenden Zahl steigt auch der Umsatz mit den Kerzli, die einen Franken kosten. Das Gute daran: Nach Abzug der Materialkosten von circa 20 Rappen geht der volle Betrag an eine gemeinnützige Organisation. In den Genuss dieser Spenden kommen lokale und nationale Projekte wie etwa die Gassenküche, die Caritas oder die Opfer der Umweltkatastrophe in Blatten. Aber auch internationale Projekte wie etwa «Sounds of Palestine» werden unterstützt. Der Spendenzweck wechselt alle drei Wochen, womit fast zwanzig Organisationen pro Jahr berücksichtigt werden können. Die Kerzli selber stammen von der Rheintaler Firma Hongler Kerzen. Sie bestehen aus einem umweltfreundlichen Kokos-Raps-Wachs, der gut brennt und wenig Russ bildet. Die Plastikbecherli werden rezykliert.