Tierische Geschichten in St.Georgen
Christoph Balmer Waser, Co-Leiter der Pfarrei St.Georgen, profiliert sich in der «St.Geörgler»-Zytig als Kolumnist und glossiert tierische Geschichten. Im vergangenen Jahr gab es einen Beitrag über braune Langohren (PDF ganz unten), in der nächsten Ausgabe folgt eine weitere Episode (folgend).
Känguru rettet Orgel
Über Tierisches haben wir hier schon in einer der früheren Ausgaben berichtet, als es um Fledermäuse ging, welche im Kirchturm wohnen. Diesmal berichten wir vom Erhalt der grossen Orgel in der Kirche, bei dem Känguru von Bedeutung sind.
Kürzlich stand ich oben auf der Empore zwischen säuberlich aufgereihten und sortierten Teilen der grossen Orgel und sehr bedacht, an keine dieser Auslegeordnungen zu stossen, weil sonst ein heilloses Durcheinander drohte. Eine Orgelbauerin und ein Orgelbauer waren konzentriert an den vielen unterschiedlichen Einzelteilen am Arbeiten. Ich – welcher bereits an der Blockflöte damals in der Primarschule scheiterte – erkannte gerade noch eine kleinere Gruppe von Orgelpfeifen, welche der Grösse nach dalagen. Andere Innenteile der Orgel sahen wohl faszinierend aus, zeichneten mir aber viel mehr ein Fragezeichen auf mein Gesicht.
Ich wurde aufgeklärt, dass der eigentliche Grund dieser gründlichen und aufwändigen Zerlegung der Orgel schadhaftes Leder für die Pneumatik sei. Wenn Sie jetzt nicht wissen, warum eine Orgel Leder in sich hat, ist dies keine Schande. Ich wusste es auch nicht, bis es mir gezeigt wurde. Vereinfacht ausgedrückt regelt die Pneumatik die Zufuhr der Luft, damit eine Pfeife einen Ton zum Erklingen bringt. Das funktioniert wie ein Blasbalg, welcher sich schliessen und öffnen muss. Je elastischer, desto besser. Diese Elastizität wird mit Lederriemen gelöst. Und da genau wurde das Problem der Orgel geortet, welches sich dann beim Auseinandernehmen als noch gröber herausstellte. Viele dieser Lederriemen waren im Laufe der Jahrzehnte spröde geworden und gerissen! Die Luft entwich einfach. Der klare Ton aller Töne wurde immer schlechter. Zeit zum Handeln also nur noch mit einer Not-Operation am inneren Organ der Orgel, um es einmal so auszudrücken.
Viel Leder musste ersetzt werden – durch Leder von Kängurus. Die Orgelbauerin klärte mich auf: Leder von diesen Tieren werde schon länger in den USA eingesetzt; einem Land, welches eine lange Tradition im Orgelbau mit entsprechenden Erfahrungen habe. In Europa hätte sich mehr Leder von Ziegen durchgesetzt. Dies sei aber nicht so dauerhaft elastisch wie Leder eines Kängurus!
Die Zerlegung der Orgel wurde genutzt, um gleich bei anderen Einzelteilen einen Service zu machen. Dann wurde alles wieder zusammengesetzt. Das hiess, rund einen Monat Arbeit für zwei Fachpersonen – mit entsprechender Rechnung. Diese Rettung der Orgel wurde wie so vieles anderes auch nur durch unsere, kirchensteuerzahlenden Mitglieder möglich.
Und dank Känguru ertönt die Königin der Instrumente wieder in vollen und wunderschönen Tönen. Überzeugen Sie sich selbst zum Beispiel in einem Gottesdienst.